Vermieten

 

Der Freundeskreis Flüchtlinge Lahr macht darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, an Asylbewerber Wohnungen zu vermieten. Für sie eine passende Wohnung zu finden, ist aber nicht nur deshalb schwierig, weil der Wohnungsmarkt in der Region ziemlich gesättigt ist, sondern auch, weil potentielle Vermieter oft nicht ausreichend über das Thema informiert sind.

Der Freundeskreis Flüchtlinge Lahr möchte deshalb diese Lücke schließen und so den Weg ebnen, Wohnungen auch an Migranten zu vermieten. Und er hat ein gewichtiges Argument auf seiner Seite: Darum, dass der Vermieter seine regelmäßigen Einnahmen hat, kümmert sich das Job-Center.

Der Freundeskreis Flüchtlinge Lahr macht darauf aufmerksam, dass es sich lohnt, Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. – Foto: pixabay.de

Von der LEA in die eigene Wohnung

Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, werden zuerst in einer Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) untergebracht. Diese gibt es in Karlsruhe, Meßstetten und Ellwangen. Zuständig ist das Land (Baden-Württemberg). Danach folgt die vorläufige Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft (GU). In Lahr gibt es zurzeit drei Standorte (siehe aktuelle Situation). Zuständig ist das Landratsamt Offenburg (LRA). Nach zwei Jahren besteht die Möglichkeit und nach der Anerkennung als Flüchtlinge die Pflicht, in eine privat gemietete Wohnung umzuziehen. Finden die Flüchtlinge keine Wohnung, kommen sie in eine Anschlussunterbringung, deren Ort die Flüchtlinge nicht wählen können, unter. Zuständig für die Anschlussunterbringung ist das LRA.

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Für Flüchtlinge ist es wichtig, nach der Zeit in einer Übergangsunterkunft möglichst rasch eine eigene Wohnung zu finden. – Foto: pixabay.de

Anerkannte Flüchtlinge

Anerkannte Flüchtlinge (AnFl) sind bleibeberechtigt. Sie erhalten eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis und dürfen ihren Wohnsitz in Deutschland frei wählen. Sie erhalten einen blauen Reisepass und eine Art von Ausweis, der dem Personalausweis ähnelt. Der Ausweis für einen AnFl trägt den Namen „Aufenthaltstitel“, ist mit Namen, Bild, Geburtsdatum und der Bezeichnung „Aufenthaltserlaubnis“ sowie der dreijährigen Gültigkeitsdauer versehen. Zusätzlich erhalten AnFl die Gesundheitskarte, zum Beispiel von der AOK.

AnFL sind per Gesetz sogenannten Hartz-IV Empfängern gleichgestellt. Das heißt, sie erhalten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II (Sozialgesetzbuch, Zweites Buch). Zuständig ist nunmehr das Job-Center in Lahr (Außenstelle, Alte Bahnhofstraße).

Die Wohnungssuche

AnFL können eine Wohnung privat anmieten. Da die Miete vom Job-Center übernommen wird, gelten Obergrenzen für den Mietzins. Übernommen wird die Brutto-Kaltmiete. Das ist die Kaltmiete plus Nebenkosten ohne Heizung, ohne Warmwasser ohne Strom auf Grundlage des Mietspiegels vom Februar 2016.

Obergrenzen für den Mietzins

Personenzahl12345
Quadratmeter45607590105
Lahr (in Euro)425520615720825
Kippenheim (in Euro)385465555650740
Die Tabelle stellt die Obergrenzen dar in Bezug auf die Personen- und Quadratmeterzahl in Lahr und Kippenheim.

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  • Die Mietkaution wird vom Job-Center als Darlehen gewährt. Die AnFl müssen das Darlehen mit zehn Prozent des maßgeblichen Regelbedarfs zurückzahlen (zwei Personen: 2 x 364 = 728 Euro; hiervon zehn Prozent = 72,80 Euro). Diese werden vom Regelsatz einbehalten. Die beiden AnFl erhalten also nur 655,20 Euro pro Monat.
  • Zusätzlich werden Heizkosten übernommen. Bei einer Heizung mit Strom werden zum Beispiel rund 60 Prozent der gesamten Stromkosten bis zu einer Obergrenze übernommen (bei drei Personen sind dies rund 115 Euro pro Monat, die übernommen werden).
  • Bei einer leeren Wohnung kann ein „Antrag auf Gewährung einer einmaligen Leistung“ gestellt werden (ein Blatt mit einer Seite). Das Job-Center beauftragt dann einen Außendienst-Mitarbeiter, eine Besichtigung der Wohnung vorzunehmen. Was bereits in der Wohnung vorhanden ist (zum Beispiel ein Schrank oder Deckenlampen) kann nicht mehr vom Job-Center finanziell bezuschusst werden. Die Wohnung sollte also leer sein. Abhängig von der Wohnfläche beträgt die Einmal-Leistung rund 800 bis bis 1200 Euro.

Jeder AnFl hat beim Job-Center einen Betreuer, der für ihn beziehungsweise sie zuständig ist. Die AnFl kennen diese Person.

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Der Vorteil für den Vermieter: Miete und Nebenkosten sind eine sichere Einnahmequelle, die Kaution ist gerantiert. – Foto: pixabay.de

Ablauf beim Mieten

Findet sich ein Vermieter, dessen Brutto-Kaltmiete innerhalb des Mietspiegels liegt, am besten wie folgt vorgehen:

  • Mietbescheinigung gemeinsam mit dem Vermieter ausfüllen. Mietbescheinigungen gibt es beim Job-Center im Erdgeschoss im Gang, in der Auslage (ein Blatt mit zwei Seiten)
  • Die ausgefüllte und unterschriebene Mietbescheinigung dem Betreuer des AnFl im Job-Center persönlich übergeben während der Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, 8 bis 12 Uhr, Donnerstag, 13 bis 18 Uhr. Der Betreuer stellt sofort die beiden „Zusicherungen gem. SGB II“ für die „Kosten der Unterkunft und Heizung“ und die „Mietkaution“ aus.
  • Die beiden Zusicherungen dem Vermieter aushändigen und den Mietvertrag ausfüllen und unterschreiben. (Formalien beim Anmieten einer Wohnung beachten: Mietvertrag genau lesen. Mängelliste beim Einzug erstellen, Stand von Strom und Wasseruhr dokumentieren.)
  • Den Mietvertrag (Kopie) dem Betreuer des AnFl im Job-Center persönlich geben. Die Miete wird dann direkt vom Job-Center überwiesen.
  • Da Wohnungen oft nicht möbliert und ohne Küche vermietet werden, sollte der AnFl den „Antrag auf Gewährung einer einmaligen Leistung“ beim Betreuer im Job-Center stellen (ein Blatt mit einer Seite). Antrag mit Nennung der erforderlichen Einrichtungsgegenstände sorgfältig ausfüllen, unterschreiben und ebenfalls dem Betreuer geben. Was bereits in der Wohnung ist, zum Beispiel ein Schrank oder Deckenlampen, kann nicht mehr vom Job-Center finanziell bezuschusst werden. Die Wohnung sollte also leer sein. Nachdem der Außendienst-Mitarbeiter des Job-Centers die Wohnung besichtigt hat, können nunmehr alle daran gehen, die leere Wohnung einzurichten. Günstige Möbel und Hausrat gibt es zum Beispiel in der Awo-Gebrauchtwarenhalle oder im Kaufhaus Fundus.

Das Job-Center kann auch die monatlichen Stromkosten direkt an den Stromversorger überweisen (Direktüberweisung durch das Job-Center). Somit hat der AnFl nur das Geld für den täglichen Bedarf auf seinem Konto.


Keine Sorgen muss sich der Vermieter auch um die Stromrechnung machen, das Geld wird direkt auf sein Konto überwiesen. – Foto: pixabay.de

Thema Wohnungssuche in der Presse

  • In Lahr fehlt bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen. Stadt, Arbeitsförderung und Wohnbaugesellschaften wollen das Problem lösen, berichtet die Badische Zeitung im April 2017.
  • Viele Menschen in Lahr sind auf der Suche nach einer Wohnung, nicht nur Flüchtlinge suchen händeringend danach, sondern auch Einheimische, die sozialbenachteiligt sind. Einen ausführlichen Bericht  vom Dezember 2016 gibt es hier.
  • Zwei Vermieter haben mit Flüchtlingen in ihrer Wohnung ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Darüber berichtet die Badische Zeitung im Oktober 2016. Und wie die Geschichte mit der schlechten Erfahrung ausging, steht hier.