Literatur, die zum einem Austausch anregt

„Exil“ heißt auf Türkisch “sürgün“. Das Wort hat auch die Nebenbedeutung „frisch austreibender Spross“. Darauf weist der Journalist Can Dündar hin, der wie viele der Flüchtlinge aus der Türkei seine Heimat aus politischen Gründen verlassen musste.

Im zweiten Literaturgespräch von Freundeskreis Flüchtlinge Lahr und dem Verein Ortenauer Kulturforum am Samstag, 7. Februar 2026, im Don Bosco-Zentrum im Lahrer Westen war damit der Rahmen für die Diskussion abgesteckt.


Titelfoto: privat

Menschen mit türkischer, ukrainischer, russischer und deutscher Herkunft sprechen gemeinsam über das Thema Exil.


Kann das Exil zu einer neuen Heimat werden, in der man wieder Wurzeln schlägt? Was macht Heimat aus: das Land, die Menschen, unsere Familie und Freunde, die Sprache, die Lebensbedingungen, vor allem die Freiheit?

Fünf Frauen und fünf Männer – türkischer, ukrainischer, russischer und deutscher Herkunft im Alter zwischen 17 und 82 Jahren – sprachen über ihr Verständnis von Heimat und darüber, wie stark ihre Bindung an die verlassene Heimat (noch) ist.

Das Gedicht „Parc Monceau“ des Exilanten Kurt Tucholsky war der Ausgangspunkt für offene und bewegende Bekenntnisse, die höchst unterschiedlich ausfielen. Nicht nur das Alter, auch die persönliche Situation spielen für die verschiedenen Sichtweisen und Einstellungen eine Rolle.

Zum Ende hin las man noch ein türkisches Gedicht zum Thema Heimat, wobei die deutschen und ukrainischen KI-generierten Übersetzungen natürlich leider nicht das vermitteln konnten, was dieses Gedicht bei den türkischsprachigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an tiefen Empfindungen hervorrief.

Literatur, die betroffen macht und zur Selbstreflexion wie auch zum Austausch mit anderen Menschen anregt – das ist das Ergebnis dieser gelungenen Veranstaltung.

Das erste Literaturgespräch hatte es im Rahmen des Sommerprogramms 2025 des Freundeskreises Flüchtlinge Lahr gegeben auf dem Grillplatz beim Tretenhof in Seelbach gegeben.

Zwei Texte amerikanischer Autoren waren vorgegeben worden: die Kurzgeschichte „Der Kaktus“ von O.Henry und die Fabel „Der Tiger, der König sein wollte“ von James Thurber. Beide Texte lagen den Teilnehmern sowohl im englischen Original als auch in türkischer und in deutscher Übersetzung vor.