Der Flüchtling Alaa Zarzour ist nach Syrien zurückgekehrt

Es stand in der Badischen Zeitung: Ein junger syrischer Mann, Alaa Zarzour, beschließt, kurz vor dem deutschen Weihnachtsfest in sein Heimatland zurückzukehren. Es hat zwar einen Job in Lahr, aber bei dieser Hilfsarbeit kaum Gelegenheit, sein noch schwaches Deutsch zu verbessern. Ohne gute Deutschkenntnisse sind aber die Chancen auf eine Stelle in seinem gelernten Beruf als Buchhalter gleich Null. Und ein Sprachkurs steht für ihn nicht zur Verfügung.

Selbst wenn er gehofft hat, in Zukunft mit guten Deutschkenntnissen und einer ordentlichen Arbeit seine Familie nachkommen zu lassen, sieht er diese Aussicht durch die neuerdings verschärfte Migrationspolitik der deutschen Regierung vereitelt. Zurück also ins vom Assad-Regime befreite Syrien, über das man in den Medien die unterschiedlichsten Nachrichten und Bilder findet, selten ermutigende. Aber für die deutsche Regierung unter dem Abschiebeminister Dobrindt ist Alaa ein Erfolgsfall.


Titelfoto: Alaa Abu Khaled

Alaa Zarzour und Heimfried Furrer (von links) treffen in Freiburg die großzügige Spenderin Hedwig Müller (rechts) und ihren Lebenspartner.


Für alle Ehrenamtlichen des Freundeskreises Flüchtlige Lahr, die integrationswilligen Menschen eine Chance geben und ihnen helfen wollen, ist Alaas Fall entmutigend und Anlass zur Sorge, weil seine Zukunft und die seiner Frau und Töchter extrem unsicher, ja gefährlich ist.

Anstelle von Hilfen zum intensiven schnellen Deutschlernen und zur Integration werden die Bedingungen für Asylsuchende in Deutschland systematisch verschlechtert und wird dadurch Druck ausgeübt, dass sie möglichst rasch Deutschland verlassen, ohne Rücksicht auf ihr späteres Schicksal.

Alaa ist zurück in Syrien und freut sich über das Wiedersehen mit seinen drei Töchtern. – Foto: privat

Der Bericht über Alaa in der BZ hatte aber eine mehr als überraschende Wirkung. Eine Frau aus der Nähe von Waldshut las ihn und war vom Schicksal des Syrers so ergriffen, dass sie sich spontan entschloss zu helfen. Über die Journalistin, die den Artikel geschrieben hatte, nahm sie Kontakt zum Freundeskreis auf: Sie wolle Alaa drei Jahre lang mit einer monatlichen Summe unterstützen und ihm so helfen, in seinem Heimatland wieder Fuß zu fassen.

Geldüberweisungen nach Syrien sind jedoch nicht möglich. Zwar fließen Zahlungen über krumme private Kanäle, allerdings zu hohen Kosten, nämlich mehr als zehn Prozent der jeweiligen Summe. Das hat der Freundeskreis der hilfsbereiten Frau mitgeteilt, verbunden mit der Hoffnung, dass angesichts der gegenwärtigen Regierungsgespräche und des deutschen Interesses an der Rückkehr möglichst vieler Syrer bald wieder Bankverbindungen möglich sein könnten.

Und weil Hedwig Müller, so heißt die großherzige Frau, auch ihren Wunsch ausdrückte, Alaa kennenzulernen, wurde ein Treffen in einem Freiburger Lokal verabredet, auf halber Strecke der beiden Wohnorte sozusagen.

Die beiden Alaas: Alaa Abu Khaled (links) und Alaa Zarzour arbeiten zusammen in der Fahrrad-Werkstatt – ein Bild aus dem Jahr 2024, als Alaa Zarzour noch in Lahr war. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Es wurde ein unvergesslicher Abend. In der freundschaftlichen Atmosphäre, die durch die warmherzige Art Hedis und ihres Lebensgefährten schnell entstand, taute auch der sonst sehr stille und ernste Alaa schnell auf, zeigte Bilder von Frau und Töchtern und fühlte sich im Kreis der Menschen, die sich für ihn interessierten und ihm wohlgesonnen waren, sichtlich wohl. Dann kam die Überraschung: Hedi überreichte Alaa ein Weihnachtspäckchen mit kleinen Geschenken für Alaas Familie – und der gesamten Summe Geldes, das sie geplant hatte, ihm im Lauf von drei Jahren monatlich zu überweisen.

Was für eine Großzügigkeit. Und ein Lichtblick in der düsteren und oft deprimierenden Lage, die in den meisten Berichten über Syrien und die Syrer geschildert werden.

Dieses große Vertrauen und die Menschlichkeit, mit der Hedwig Müller einem ihr bisher unbekannten Menschen begegnete, kann ein leuchtendes Vorbild für andere sein, die ebenso die Erfahrung machen wollen, dass das Glück, das man Mitmenschen bereitet, ganz stark auch zum eigenen Glück beiträgt.

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