Café-Tagebuch

Das Café international im interkulturellen Garten ist das Herzeigeprojekt des Freundeskreises Flüchtlinge Lahr und ein toller Erfolg. Das zeigt sich auch daran, dass dem Freundeskreis am 18. September 2023 für das Café der Ortenauer Integrationspreis verliehen worden ist. Einen detaillierten Eindruck davon, was an den Freitagnachmittagen des Cafés stattfindet, bekommt man, wenn man das Tagebuch liest.

Das Tagebuch dokumentiert viele Details aus dem Betrieb des Cafés, die ein rundes Bild dessen ergeben, wie der interkulturelle Austausch im interkulturellen Garten vor sich geht. – Foto: pixabay.de
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2026

13. März 2026

Zwei Frauen haben Glück

Das heute besonders reichhaltige Büffet findet trotz Ramadan genügend Abnehmer. Wer nicht fastet, holt gerne auch zweimal Nachschlag, denn die große Schüssel Kisir von Aysegül, der leckere Apfelkuchen und Günters Schnittchen sind zu verlockend. Kisir, das ist ein sehr pikant angemachter Salat aus Bulgur mit Lauchzwiebeln, Kräutern, Tomatenmark und möglicherweise noch weiteren Zutaten – eine gute Idee für die nächste private Party.

Aysegül hatte Glück: Sie hat endlich eine Wohnung für sich und ihre Familie gefunden und das Plazet vom Amt für die Übernahme der Mietkosten bekommen. Jetzt braucht sie unter anderem auch einen Kühlschrank, den wir ihr aus unserem Vorrat preiswert verkaufen können.

Glück auch für Jana: Wie Zhenya berichtet, hat ihre Mutter nach dem Praktikum eine Anstellung als Buchhalterin bekommen – endlich, nach vielen Bewerbungen.

Die Gruppe, die eine Frühlingspuppe gebastelt hat, präsentiert stolz das Ergebnis. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Am Basteltisch werden unter Anleitung von Svetlana Frühlingspüppchen hergestellt. Unter den Teilnehmern der fröhlichen und mit großem Eifer arbeitenden Gruppe ist auch Anna, die schon länger nicht mehr bei uns war, mit ihrer Tochter.

Neu im Café ist Furkan, den Ibrahim und Cankan mitgebracht haben. Ihre Prüfung an der Gewerbeschule steht an, und sie holen sich letzte Tipps für das selbständige Lernen. Sie müssen vor allem Sprechen üben, und da sind sie im Café genau richtig. Auch bei der Mitarbeit in der Fahrrad-Werkstatt können sie ihr Deutsch üben. Zum Ende hin spielen sie noch Schach.

Majid ist nach seinem Krankenhausaufenthalt wieder zurück. Er muss einen Atemschutz tragen und sollte wahrscheinlich wegen der Infektionsgefahr Menschengruppen meiden, sucht aber wieder die Atmosphäre des Cafés auf, in dem er regelmäßiger Gast war.

Vielleicht findet sich unter denjenigen, die den Aufruf zur Teilnahme an der Aktion „Heimat“ fotografieren, ein paar, die sich mit einem Text oder Bild zu dem Thema beteiligen. Auch der zweite Flyer, der kursiert, findet Interesse: Eine junge türkische Frau meldet sich sofort für die Info-Veranstaltung zum (Wieder-)Einstieg in Beruf oder Ausbildung an, die am 20. März 2026 in der VHS Offenburg stattfindet.

6. März 2026

Ein ruhiger Nachmittag

Cankan, von seinem Klassenkameraden Ibrahim Mert zum ersten Mal ins Café mitgebracht, hat mit seinem Freund schon früh Tische und Stühle aufgebaut. Doch die Zahl der Gäste ist anfangs sehr gering, und auch im Verlauf des Nachmittags kommen insgesamt nur knapp 40 zusammen.

Es ist ein ruhiger Nachmittag mit kleinen Gesprächsgruppen und einem Schachspieler-Paar.

Das Plakat, das Waltraud aufgehängt hat, erinnert an den Internationalen Frauentag. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Die ursprünglich geplante Veranstaltung zum Internationalen Frauentag musste wegen Krankheit der Organisatorin ausfallen. Stattdessen hat Waltraud rote Rosen für die Frauen mitgebracht und ein kämpferisches Plakat, das sie über dem Buffet aufgehängt hat. Außerdem wollte sie noch eine flammende Rede zu diesem Thema halten, ließ dann aber davon ab.

Hatice ist mit Baby Jonas da; sie findet keinen Interessenten für einen Hochstuhl, den sie anbietet.

Es geht wie fast an jedem Freitag um die Suche nach einer Wohnung. Udo unterstützt Aysegüls Familie beim Gespräch mit dem Anwalt, der gegen Metes Ausweisungsbescheid vorgehen soll.

Und Kadir ist wieder Initiator und Mittelpunkt eines Gesprächs über Dialekte, ein Thema, das ihn stets fasziniert.

27. Februar 2026

Probleme gemeinsam gelöst

So ist das ideal: Kadir (Türke) berichtet über Probleme des von ihm betreuten Hafiz (aus Afghanistan, staatenlos) mit dem Jobcenter wegen der Nebenkosten einer gefundenen Wohnung. Heimfried (Deutscher), der gerade zusammen mit Alaa (Syrer) über dessen Probleme mit seiner Steuererklärung spricht, erinnert sich, dass Alaa mit den Nebenkosten seiner Wohnung ähnliche Probleme hatte, die er gut lösen konnte, bringt die Drei zusammen, und auf Türkisch kann Alaa mit den beiden mögliche Auswege diskutieren.

Die 87-jährige Brigitte hat Kenntnisse im Lohnsteuerrecht, wird Alaa vorgestellt, und die beiden vereinbaren ein Treffen, bei dem Alaas Steuererklärung in Angriff genommen werden soll. Brigitte wiederum klagt über mangelnde Kontakte mit ihren netten russischen Nachbarn und bekommt Tipps zu ihrem Wunsch nach mehr Kommunikation wie auch zu ihrer Suche nach „Scrabble“- Partnern.

Am Thementisch werden Sonnenpferde gebastelt. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Das Café international als Ort, wo man sich gegenseitig über alle geographischen und sprachlichen Grenzen hinweg hilft – das klappt immer wieder und heute ganz besonders gut.

Am Basteltisch zeigt Svitlana einer in Alter und Nationalität gemischten Gruppe, wie man aus Schnur und farbigen Wollfäden attraktive Pferdchen bastelt. Die Teilnehmer präsentieren ihre erstaunlich gelungenen Werke. Silvia, speziell für dieses Bastelevent mal wieder ins Café gekommen, wie auch der junge Rustislav aus Russland können besonders stolz auf ihre Pferdchen sein.

Wir freuen uns über Lucies Besuch: Sie studiert in Südfrankreich und ist jetzt in den Ferien in Lahr. Wenn sie nicht im Ausland studiert, ist sie ein fester Bestandteil im Team des Cafés international. Mit ihrem französischen Freund übt sie mithilfe der Wortkarten, seinen deutschen Wortschatz zu verbessern.

Und an einem anderen Tisch spielt eine türkisch-deutsch-ukrainische Gruppe ein von Waltraud eigens für den Deutschunterricht erfundenes und gebasteltes Spiel über das Fasten in verschiedenen Religionen.

20. Februar 2026

Die Jüngsten sind die Besten

Der heutige Nachmittag im Café International steht ganz im Zeichen des Schachturniers. Schon einmal zuvor hat Bernd Emmelmann im Café erfolgreich ein Turnier durchgeführt. Dabei haben wir zu Beginn Zweifel, ob sich unter der geringen Zahl der Gäste überhaupt genügend Spieler für ein Turnier finden würden, zumal wegen des Ramadan vielleicht die Mehrzahl unserer muslimischen Schachbegeisterten heute zu Hause bleiben würden. Aber wie üblich füllt sich das Café dann doch, und wir können – später als geplant – beginnen.

Der junge Ibrahim ist der überlegene Sieger im Schachturnier und darf sich als Erster am Tisch mit den zahlreichen Preisen bedienen. Er gewinnt als Einziger der zwölf Teilnehmer alle seiner vier Partien und besiegt in der ersten Partie seinen erwachsenen Gegner schon innerhalb von ein paar Minuten.

Wie er sind auch die zweit- und dritterfolgreichsten Teilnehmer, Yasir und Andrei, noch keine 15 Jahre alt – erst dann kommen die Erwachsenen. Das freut vor allem Bernd, der ja seit langer Zeit zahlreiche Kinder und Jugendliche zum Spiel der Könige anregt und an vielen Schulen Schachgruppen betreut.

Bernd Emmelmann (stehend, im Hintegrund), überwacht das Schachturnier im Café. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Mit unserem Dank für das bereits zum zweiten Mal perfekt organisierte Schachturnier im Café international verbinden wir die Einladung, doch wieder zu uns zu kommen – und bekommen prompt das Angebot, dass Bernd einmal Schach-Unterricht bei uns anbietet, ganz ohne den Zeitdruck der Uhren, die einen anspruchsvollen 20-Minuten-Takt pro Partie im Turnier vorgeben.

Neben dem Spielen bleibt noch Zeit, sich mit den Problemen von Hafiz zu beschäftigen. Kadir kümmert sich um ihn und übersetzt. Ein Ehepaar mit fünf Kindern, kaum Deutschkenntnisse, ohne Staatsangehörigkeit – da eine Wohnung zu finden, scheint eine schier unlösbare Aufgabe zu sein.

Die Familie lebte in Afghanistan, dann jeweils mehrere Jahre im Iran und der Türkei und hat jetzt die Aufforderung bekommen, aus der Wohnung in der Unterkunft auszuziehen und sich auf dem Wohnungsmarkt eine Bleibe zu suchen.

Kadir hat eine Annonce über eine geeignete und finanzierbare Wohnung gefunden. Wir erreichen den Eigentümer nicht am Telefon, bekommen aber die Auskunft, dass er am Montagvormittag erreichbar ist. Ob die persönliche Bekanntschaft mit ihm die Chancen der Familie erhöhen? Wir haben ein bisschen Hoffnung . . .

13. Februar 2026

Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

Wie immer füllt sich das Café nur langsam, hat aber dann doch die übliche Zahl von circa 40 Gästen. Besonders zu erwähnen sind Lisbeth Siegwart, die lange Zeit Rosel und Siamand mit der Schule geholfen hat. Sie bringt Bettzeug mit, und ihr Freund bietet an, beim Transport von Fahrrädern zu helfen.

Eine weitere Bereicherung erfährt der Mitnahmetisch durch zahlreiche Spielfigürchen, die Ali mitgebracht hat. Dass er nach Operation und Reha zum ersten Mal wieder ins Café kommen kann, ist eine frohe Überraschung. Er ist auch bald in eine Diskussion über die arabische Sprache und ihre Varianten verwickelt: Linda und Ramona und ein neuer Gast aus Syrien fachsimpeln mit ihm darüber, wie weit das Hocharabische verbreitet ist und inwieweit sich die Sprecher der verschiedenen arabischsprachigen Länder gegenseitig verstehen.

Auch Katya ist nach längerer Krankheit zu ersten Mal wieder bei uns. Die Veranstaltung zum Valentinstag, die sie organisieren wollte, musste durch ihre Krankheit ausfallen. Aber sie hat schon einen nächsten Plan: Der Internationale Frauentag am 8. März soll gefeiert werden. Wir sind gespannt darauf, was sie und ihre Freundinnen sich ausgedacht haben.

Heimfried (rechts) begrüßt Gäste, die schon länger nicht mehr im Café waren: Sana und Ali. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Und noch ein Gast schaut kurz herein, über den wir uns sehr freuen: Sana. Sie kommt gerade von der Arbeit und ist erschöpft. Sana, eine der Sprecherinnen des Interkulturellen Beirats, hat früher im Übergangswohnheim in der Willy-Brandt-Straße das Café international betreut.

Milad sucht aktiv Gesprächspartner, mit denen er sein Deutsch verbessern kann. Er hat in relativ kurzer Zeit schon erstaunliche Fortschritte gemacht. Im Gespräch zwischen ihm und Türken, Ukrainerinnen und Deutschen geht es um das Problem, dass so viel Gelerntes schnell wieder vergessen wird, wenn man die neue Sprache nicht oft genug anwenden kann.

Muhammed initiiert eine Gruppe, die das für Nicht-Muttersprachler besonders anspruchsvolle „Tabu“ spielt. Und die Kinder vergnügen sich mit internationalen Liedern, zu denen sie tanzen.

Jetzt hat es auch Lahr erreicht. Das Bamf erteilt für Personen im Asylverfahren, für Geduldete sowie für Menschen aus der Ukraine und aus EU-Ländern keine Zulassungen für die Teilnahme an Integrationskursen mehr. Auch Amir aus Iran hat einen ablehnenden Bescheid bekommen. Er ist ratlos. Denn er will eigentlich rasch Deutsch lernen, um in Deutschland arbeiten zu können. Zusammen mit seinem Freund Nima wird überlegt, was zu tun ist. Uns fallen die Deutschkurse im Begegnungshaus ein und Apps, mit denen man die Sprache lernen kann, zum Beispiel mit Duolingo. Nima kennt diese App schon und findet sie gut.

Und noch eine schlechte Nachricht – auch von Amir. Majid geht es gesundheitlich nicht gut. Er ist derzeit im Lahrer Klinikum. Seine Landleute besuchen ihn dort und beten für ihn. Und wir alle wünschen ihm von Herzen eine gute Besserung.

6. Februar 2026

Zwei Geburtstagskinder im Café

Zwei Geburtstage werden heute gefeiert, mit 80 Jahren Altersunterschied zwischen den Jubilaren. Zuerst steht Elias Sadani, Ramonas Sohn, im Mittelpunkt und ist überwältigt von dem Trubel um ihn herum: Er wird gehätschelt von Mama und Großeltern, Kuchen von Oma Linda wird verteilt, die Tische sind mit Luftschlangen dekoriert, bunte Hüte verteilt, und der Kleine wird vor der dekorierten Wand zwischen Luftballons und Kerzen hundertfach fotografiert und nimmt auf dem Tisch stehend all die Ovationen und das Ständchen zu seinem zweiten Geburtstag wie ein König entgegen.

Günter erscheint wie immer unauffällig etwas später mit seiner Platte voller belegter Baguette-Scheiben. Aber seine stolzen 82 Jahre werden ebenfalls mit einem Ständchen begrüßt und von herzlichen Glückwünschen begleitet. Er bringt auch noch die gute Nachricht mit, dass es Ali nach seiner erfolgreichen Operation wieder besser geht.

Der kleine Elias (rechts) feiert seinen zweiten Geburtstag, links sein großer Bruder. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Die zehn Kinder unter den mehr als 50 Gästen, vom Geburtstagstrubel animiert, sausen lärmend zwischen den Tischreihen umher. Der sechsjährige Yaris erfreut die Zuschauer mit seinen Luftballon-Solos.

Andy Mays und Ursel Blancke-Kießlings Werbung für die gleich stattfindende Informations-Veranstaltung von Ursel zum Thema Landtagswahl ist trotz Mikro kaum zu vernehmen. Beide haben es geschafft, ein halbes Dutzend Interessenten aus dem Gemeindesaal in das benachbarte Sitzungszimmer zu locken, wo der Vortrag stattfindet.

Ungewiss ist, wer sich tags darauf am Nachmittag im Don-Bosco-Zentrum zum Gespräch über Literatur einfindet. Das Thema „Exil“ ist jedenfalls für die meisten unserer Gäste von zentraler Bedeutung, die ja ihre Heimat verlassen mussten.

30. Januar 2026

Heute spielt das Thema Behinderung eine Rolle

Manchmal sehnt man sich nach einem stink-normalen, langweiligen, ruhigen Freitagachmittag im Café – mit Gelegenheit zum Plaudern oder Diskutieren, zum Spielen, zum Beobachten.

Immer häufiger, vor allem, wenn ein Programmpunkt den Cafénachmittag bestimmt, bleibt aber für die gemütlicheren Beschäftigungen keine Zeit. Heute ist mal wieder so ein Tag: Zwar sieht es zu Beginn lange Zeit so aus, als ob nur wenig mehr als 20 Gäste sich zu entspannten Gesprächen eingefunden haben. Dann aber, nach 16 Uhr, füllt sich der Raum, und aus ist es mit der Gemütlichkeit.

Der Kühlschrankverkauf geht – endlich – voran. Rückzahlungen der Raten für Kleindarlehen werden abgewickelt, eine Absprache über die Gründe für eine aufgeschobene Abzahlung findet statt. Wie soll die Schullaufbahn der Kinder weitergehen, wenn von den Leistungen im Fach Deutsch so viel abhängt? Da sind Kenntnisse über das ganze deutsche Schulsystem und ein intensives Gespräch notwendig.

Es ergeben sich Probleme im Zusammenhang mit dem geplanten Themen-Schwerpunkt „Behinderung“. Unsere Planung ist hinfällig: Nina sagt ab, die selbst ein behindertes Kind hat, die aber auch mit ihren ordentlichen Deutsch-Kenntnissen wichtig gewesen wäre, um zu dolmetschen. Vor allem aber war Renate Hofsäß verhindert, die als kundige Expertin zugesagt hatte teilzunehmen. Sie wollte auch über den „Treffpunkt“ informieren, der ein wichtiger Anlaufort für Behinderte und den Austausch mit ihnen ist.

Am Themen-Tisch geht es um Menschen mit Behinderung. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Also findet sich nur eine kleine Gruppe am Thementisch ein, um sich über das Thema auszutauschen. Nika (Veronika), deren Mutter Valentina angeregt hatte, über Behinderung zu sprechen, bemüht sich bravourös, die Redebeiträge zu übersetzen. Ihr Vater Victor ist schwer behindert. Es geht vor allem um Bemühungen, Hilfen für die Behinderten genehmigt und finanziert zu bekommen. Es ist nicht möglich, die ukrainischen Frauen detailliert zu beraten; nur Hinweise sind möglich auf Organisationen wie die Caritas, die Diakonie, die Nachbarschaftshilfe und auf die Möglichkeit, den Dolmetscherpool in Anspruch zu nehmen.

Mithilfe von Flyer-Material stellen wir die offene Hilfe durch die Diakonie sowie den „Treffpunkt“ vor. Bald leistet auch die Schülerin Efgenyia, die schon hervorragend Deutsch spricht, gute Hilfe beim Dolmetschen. Und Halime, Mitglied im Dolmetscherpool und Mutter eines behinderten Kindes mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit Behörden und Kenntnis über die Möglichkeiten der Förderung, bietet ihre Hilfe an.

Wichtig war bei diesem Gespräch vor allem, dass sich die betroffenen Ukrainerinnen intensiv austauschen konnten – lange Zeit auf Ukrainisch und fürs Dolmetschen zu lang und kompliziert.

Yunus bringt den Flyer mit, der zur Teilnahme am Literaturgespräch einlädt, das am Samstag, 7. Februar, stattfindet, und Efgenyia erklärt sich bereit, als Dolmetscherin für Russisch und Ukrainisch dabei zu sein.

23. Januar 2026

Richtiges Deutsch und Fake News

Gleich mehrere unserer migrantischen Gäste mit ziemlich bis sehr guten Deutschkenntnissen wollen wissen, wie und wo sie sich auf Deutsch häufiger unterhalten können. „Aber nur in r i c h t i g e m Deutsch!“ sagt Kadir, und meint damit dialektfreies Hochdeutsch. Wieder etwas gelernt: Er muss zur Kenntnis nehmen, dass mancher Einheimische ihm diesen Satz übelnehmen würde, weil selbstverständlich auch Dialekte „richtiges Deutsch“ sind.

Was ist ihm und den anderen zu raten? Sie bekommen viele Tipps, von ehrenamtlicher Arbeit beim Roten Kreuz (Rat von Ali, der dort hin und wieder arbeitet) oder in einem Seniorenheim (so Seher) über Mitarbeit in der Nachbarschaftshilfe, der Tafel und anderen sozialen Organisationen bis hin zur Mitgliedschaft in einem Verein.

Neben dem Gespräch mit anderen Gästen gibt es heute im Café noch eine besondere Gelegenheit, gutes Deutsch zu hören: Vera Podskalsky vom Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg hält einen Vortrag über „Fake News“. Und anschließend gibt es am Thementisch für Interessierte die Gelegenheit, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Besonders die Aufgabe, anhand Bildern von Screenshots herauszufinden, woran man erkennen kann, dass die jeweilige Nachricht ein Fake ist, motiviert die Teilnehmerinnen zu intensivem Austausch.

Am Themen-Tisch wird das Thema mit Vera Podskalsky (rechts) vertieft erörtert. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Es ist nicht nur inhaltlich eine sehr gut gemachte Veranstaltung, sondern auch ein willkommener Anlass, Deutsch zu sprechen. Alle sind sich einig, dass es zwar nicht immer leicht ist, solche Machwerke zu durchschauen, aber gerade im Vergleich mit den Heimatländern der Geflüchteten wird klar, wie die Vielfalt der deutschen Medien kritischen Menschen gute Möglichkeiten bietet, Fake News als solche zu entlarven.

Die Referentin, die selbst Deutsch für Migranten unterrichtet, gibt noch den guten Tipp, die Nachrichten der Deutschen Welle, abgestuft nach Sprachniveau, zu verfolgen.

Um den Thementisch herum toben die Kinder, aber das stört kaum und führt inmitten des engagierten ernsten Gesprächs zu fröhlichem Lachen über das verdutzte Gesicht des Kleinen, dessen Luftballon geplatzt ist.

16. Januar 2026

Viele Gäste und viele Anliegen

Viele Gäste im Café, auch etliche neue; es müssen weitere Stühle für die bestimmt mehr als 80 Besucher dazugestellt werden. Muhammed ist stolz darauf, seine Eltern vorstellen zu können, die aus der Türkei zu Besuch sind. Hatice führt ihre Schwiegermutter ein, ist aber vor allem voller Stolz auf ihren und Yunus` Sohn Jonas, inzwischen schon fast vier Monate alt, der mit wachen Augen und ruhiger Zufriedenheit den Trubel um sich herum verfolgt und uns hin und wieder sogar ein Lächeln schenkt. In der Nacht ist er wohl nicht so ruhig: Seine Mutter schläft oft nur stundenweise.

Viele der Gäste sind mit einem Anliegen gekommen: Bitten um finanzielle Hilfe (die, so schwer es fällt, nach den gegebenen Umständen abgelehnt werden müssen) und mehrfach die Nachfrage nach Unterstützung beim Deutschlernen. Eine junge Frau in der Ausbildung als Erzieherin im Kindergarten muss leider hören, dass wir (vorläufig?) keine Hilfe in unseren Deutsch-Kursen am Vormittag geben können, vor allem, wenn es um die Fachsprache für ihre pädagogische Ausbildung geht. Maryna aus der Ukraine dagegen freut sich, ihr schon sehr gutes Deutsch in unserem B1-Kurs trainieren zu können.

Männer aus Algerien und der Türkei sitzen beisammen: Es sind Arbeitskollegen bei Zalando. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge Lahr

Als Erfolg können wir den Verkauf von drei weiteren Kühlschränken verbuchen. Da warten noch weitere.

Jana ist nach längerer Zeit mal wieder da und berichtet von ihren intensiven Bemühungen (viele Bewerbungen, mehrere Praktika), einen Ausbildungsplatz zu finden, der ihren Fähigkeiten wenigstens einigermaßen entspricht. Ihr Deutsch ist inzwischen sehr gut geworden, und hoffentlich kann ihr die Stärkung ihres Selbstvertrauens und die Ermunterung, weiterhin nicht aufzugeben, helfen.

Mit Elise besprechen wir das vorgesehene Projekt „Die Deutschen und die Juden“, mit Yunus den Literatur-Nachmittag zum Thema „Exil“ und mit Bernd das geplante Schachturnier.

9. Januar 2026

Sprachspiele werden wieder entdeckt

Wir vergessen immer wieder, dass wir eine ganze Menge Spiele in unserem Fundus haben, mit denen man die deutsche Sprache lernen und üben kann. Heute haben wir daran gedacht, und wie auf einmal wird an fast allen Tischen gespielt.

Das passt gut, denn es gibt ein paar neue Gäste, die gekommen sind, um sich nach Möglichkeiten zu erkundigen, an einem Kurs teilzunehmen oder überhaupt Deutsch zu üben.

Marinela aus Bulgarien kann schon recht gut Deutsch. Sie unterhält sich lange mit Waltraud, die das Deutsch-Café betreibt, und sie wird in den B1-Kurs am Dienstag- und Freitagvormittag kommen. Am Tisch mit Yevgheniya aus der Ukraine und sprachlich fortgeschrittenen Frauen aus der Türkei spielt sie ein anspruchsvolleres Spiel. Sie bekommen das Sätze-Domino gezeigt, für das man schon korrekte Sätze bilden können muss.

Marinela (links) aus Bulgarien und Seher aus der Türkei wollen im Küchenteam des Cafés mithelfen. – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Katya bringt Alla mit, die gut Englisch spricht. So ergibt sich zuerst ein flüssiges Gespräch der beiden Frauen mit Blessing aus Nigeria. Aber es soll ja Deutsch gesprochen werden. Da ist für Anfänger wie Alla die umfangreiche Sammlung von Bild-Wort-Karten zu vielen Lebensbereichen geeignet, mit der Alla sich bald mit Hilfe ihrer Freundin eifrig beschäftigt. Oleksander holt sich einen Stapel davon und übt damit für sich am Nebentisch.

Und Mohammed spielt mit drei kleinen türkischen Mädchen das anspruchsvolle Spiel „Tabu“, das den Dreien offensichtlich sehr viel Spaß macht. Für die ganz Kleinen geht es auch ohne Deutsch: Oma Linda und ihr Enkel beschäftigen sich lange sehr intensiv mit Puzzles.

Resul, türkischer Kurde, kommt in Begleitung seines Freundes Mikail mit einer Bitte um finanzielle Unterstützung, über die nächsten Mittwoch im Plenum entschieden werden muss.

Yunus und Heimfried bitten alle Interessenten, geeignete Texte zu dem Thema beizusteuern, das im Literaturgespräch am Samstag, 7. Februar, behandelt werden soll: Exil. Bärbel kann sich einen Kommentar von Can Dündar vorstellen; das Gedicht „Parc Monceau“ von Kurt Tucholsky kommt auch in Frage.

2. Januar 2026

Eine Party zu Beginn des neues Jahres

Wie viele Gäste an der Party teilnahmen, ist schwer festzustellen: Es gibt immer einige, die erst später kommen, und andere, die früher gehen. Auf jeden Fall hatten mindestens 50 Leute Spaß an der von Katya und ihren Freundinnen und Freunden super organisierten Veranstaltung.

Natürlich wurde getanzt, und nicht nur die wunderschön gekleideten und gestylten Damen hatten dabei großen Spaß. Auch die Kinder tanzten begeistert mit. Und viele nahmen an den Spielen teil, die die Organisatorinnen vorbereitet hatten: Tanzspiele, Kommunikationsspiele, Rate- und Wissensspiele animierten Jung und Alt zum Mitmachen.

Keine Party, bei der nicht auch getanzt wird – Foto: Freundeskreis Flüchtlinge

Der bunte und fröhliche Nachmittag beeindruckte auch ein paar Menschen, die neu zu Gast waren: Renate aus Freiburg, früher selbst in der Flüchtlingshilfe engagiert, hatte ein Zeitungsbericht über das Café neugierig gemacht; Evelyne, die an der Malerfachschule jungen Geflüchteten Deutsch beibringt, wollte sich über uns informieren und bot an, im Café mit einer Kollegin über ihre Arbeit insbesondere mit Analphabeten zu berichten. Und Kürsads Mutter war aus der Türkei zu Besuch zur Familie ihres Sohnes gekommen und genoss es, sich auch mit anderen Gästen auf Türkisch unterhalten zu können.

Bei den Spielen konnten wir mit Freude sehen, wie Jung und Alt aus allen Nationen, vor allem aber die vielen Kinder, sich in der warmen Atmosphäre des Cafés sichtlich wohl fühlten. Die Kinder bewegen sich, wie man beobachten kann, je häufiger sie ins Café kommen, umso freier und ungezwungener.